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Das Gesetz: eine undurchdringliche Paragraphenwelt.

Urheberrecht heute

Solche Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht erwartet;
das Gesetz soll doch jedem und immer zugänglich sein, denkt er,
aber als er jetzt den Türhüter in seinem Pelzmantel genauer ansieht […],
entschließt er sich, doch lieber zu warten, bis er die Erlaubnis zum Eintritt bekommt.
(Franz Kafka: Vor dem Gesetz)

 

Recht und Gesetz verbergen sich – vielleicht ähnlich wie in Kafkas Erzählung Vor dem Gesetz – meist hinter hohen Mauern in einem Bezirk, zu dem einfache Menschen kaum zutritt haben. Und deswegen wollen wir einmal über die Mauer spähen, um uns wenigstens einen knappen Überblick über die Grundzüge des Urheberrechts zu verschaffen.

Jegliche Form von kultureller Produktion findet, insbesondere wenn sie in irgendeiner Weise kommerzialisiert wird, in einem Kontext statt, der weit über die unmittelbar Beteiligten Instanzen – KünstlerInnen und ihre Werke – hinausreicht. Die Beziehungen zwischen allen relevanten Instanzen regelt heute das Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte mit seinen 143 Paragraphen. Es ist seit 1966 in Kraft und basiert auf dem Welturheberrechtsabkommen von 1952.

UrheberInnen

Abb. 1: Globale Justitia.

Wer schöpferisch tätig ist und ein Werk hervorbringt, ist ein:e Urheber:in (§7). Und wer Urheber:in ist, hat prinzipiell die alleinige Verfügungsgewalt über die schöpferisch hervorgebrachten Werke. Urheber:innen kennzeichnen ihre Urheberschaft üblicherweise mit einem Namen (auch mit einem Pseudonym) auf dem Werk (§10). Das Urheberrecht erlischt siebzig Jahre nach dem Tod der Urheber:in (§64) und wird nach dem Tod der Urheber:in vererbt (§28).

Die Verwertungsrechte halten fest, dass allein die Urheber:in ihre Werke vervielfältigen, verbreiten oder ausstellen darf (§15). Dabei dürfen Werke allerdings von anderen dazu verwendet werden, eigene selbständige, d.h. nicht kopierte, Werke zu schaffen. Die Zustimmung der Urheber:innen der verwendeten Werke ist dafür nicht nötig (§24).

Urheberrecht und Nutzungsrecht

Eine wichtige Unterscheidung besteht zwischen dem Urheberrecht und dem Nutzungsrecht. Während das Urheberrecht von selbst gegeben und nicht übertragbar ist (§29), sobald eine Person ein Werk hervorbringt und zur Urheber:in wird, müssen Nutzungsrechte explizit eingeräumt, verhandelt und je nach Situation auch vertraglich festgeschrieben werden (§29).

Urheber:innen räumen anderen üblicherweise Nutzungsrechte an ihren Werke ein. Denn meist verfügen Autor:innen nicht über Druckerpressen und Vertriebskanäle, sodass sie auf Verlage angewiesen sind. Maler:innen wiederum besitzen meist keine eigenen Ausstellungsräume oder gar Museen. Und Komponist:innen brauchen ein Konzerthaus mit Orchester, das die Werke aufführt.

Urheber:innen können dabei entscheiden, ob sie ein einfaches Nutzungsrecht (andere dürfen das Werk auch verwenden) oder ein ausschliessliches Nutzungsrecht (nur die Inhaber:in des Nutzungsrechts darf das Werk verwenden) einräumen möchten (§31). Dabei ist es den Inhaber:innen von Nutzungsrechten auch in eingeschränktem Rahmen erlaubt, Änderungen am Werk vorzunehmen (§39). Denkbar sind, wenn es um Texte geht, zum Beispiel nachträgliche Korrekturen der Rechtschreibung oder eine veränderte Buchgestaltung bei einer Neuauflage. Eine Zweitverwertung unterliegt ebenfalls dem Urheberrecht.

Wie wird der Kraken Verlag mit seinem unkonventionellen Konzept kollektiver Bücher wohl mit dem Urheberrecht umgehen? Kollektive Bücher haben kollektive Urheber:innen. Ja? Tentakelt, wenn ihr dafür oder dagegen seid, andere Ideen oder weitere Informationen habt und euch ein Bild von der Urheberrechtslage gemacht habt.
 

Quellenangaben

Literatur: Gesetze im Internet (https://www.gesetze-im-internet.de/).
Titelbild: Das Gesetz: eine undurchdringliche Paragraphenwelt (Gerd Altmann, https://pixabay.com/de/photos/paragraf-paragraph-buch-recht-jura-2546124/).
Abbildung 1: Globale Justitia (jessica45, https://pixabay.com/de/photos/lady-justice-rechtsgrundlage-gesetz-2388500/).


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