Bücher machen: ein kollektives Unterfangen?
Setzer bei der Maschinensatzverarbeitung.

Bücher machen: ein kollektives Unterfangen?

Die Vorstellung, dass dem Autor eine besondere Funktion im Produktionsprozess zukommt – nämlich die einzige, die Aufmerksamkeit verdient – ist jüngeren Datums. Es handelt sich um ein Nebenprodukt der literaturromantischen Anschauung, dass bedeutende Schriftsteller einen Bruch mit der Tradition insgesamt vollziehen, um etwas absolut Neues und Einzigartiges, d.h. «Originales», zu schaffen. (Martha Woodmansee) Ein Buch? – Das ist: Schreiben, setzen, drucken, binden, vertreiben… Meist denken wir heute wohl nicht mehr so. Ein Buch machen: Das ist vor allem…

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Autorschaft im digitalen Zeitalter
Unterschiedliche Hyperlinkstrukturen.

Autorschaft im digitalen Zeitalter

Wie viele der Millionen Computeranwender können die Namen der Entwickler der Tabellenkalkulation Excel oder des Bestseller-Spiels Myste nennen? Die Produkte selbst sind wichtiger als die Autoren, und diese Produkte stellen Resultate einer hochgradig kooperativen Organisation dar. (Jay. D. Bolter)   Die Zeit der digitalisierten Textverarbeitung und der Verbreitungskanäle des WWW erlaubt eine wesentlich schnellere Verbreitung von Texten als das Zeitalter des Buchdrucks. Alle können, zum Beispiel durch einen Blog, AutorInnen sein und ihre Texte an ein Publikum herantragen.…

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Kollektivliteratur: Wu Ming
Gesichtlose Autoren, um dem Starkult zu entgehen.

Kollektivliteratur: Wu Ming

Bologna, das fette Bologna (der nahrfhaften bologneser Küche wegen), ist bekannt für Tomatensauce mit Hackfleisch. Bologna, aber dazu gibt es nichts zu sagen, ist bekannt für eine unselige Bildungsreform. Und Bologna, das rote Bologna (seiner Dächer und seiner politischen Vergangenheit wegen, könnte – wenn es das Wort Kollektivliteratur schon gäbe und der Begriff allgemeine Anerkennung fände – auch dafür bekannt sein: Wu Ming. Wu Ming – ein chinesisches Wortspiel, das je nach Betonung der Silben, da Namen Autorschaft…

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Kollektivliteratur: «Ah, das Love-Ding!» von Monika Rinck
Reflexionen über Gruppenkonstellationen. Monika Rinck: «Ah, das Love-Ding!».

Kollektivliteratur: «Ah, das Love-Ding!» von Monika Rinck

Das Kollektiv bahnt sich schon seit einiger Zeit seinen Weg in die Literatur, auch wenn es zunächst zaghaft auftritt und sich eher theoretisch als praktisch äußert. Zum Beispiel bei Monika Rinck, die gerade den Berliner Literaturpreis 2021 gewonnen hat. Zwar mögen mittlerweile spärlich praktische Erfahrungen aus dem Kollektivprojekt «Helm aus Phlox» (Merve, 2011) vorhanden sein, aber der Essay «Ah, das Love-Ding!» (kookbooks, 2006), den Monika Rinck allein verfasst hat, gehört noch in die Zeit vor «Helm aus Phlox». Also…

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Urheberrecht heute
Das Gesetz: eine undurchdringliche Paragraphenwelt.

Urheberrecht heute

Solche Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht erwartet; das Gesetz soll doch jedem und immer zugänglich sein, denkt er, aber als er jetzt den Türhüter in seinem Pelzmantel genauer ansieht [...], entschließt er sich, doch lieber zu warten, bis er die Erlaubnis zum Eintritt bekommt. (Franz Kafka: Vor dem Gesetz)   Recht und Gesetz verbergen sich – vielleicht ähnlich wie in Kafkas Erzählung Vor dem Gesetz – meist hinter hohen Mauern in einem Bezirk, zu dem einfache…

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Schreiben: im Kollektiv statt allein?
Carl Spitzweg: Der arme Poet.

Schreiben: im Kollektiv statt allein?

Viele Menschen schreiben. Der Kraken Verlag will die Schwarmintelligenz des digitalen Zeitalters auf das Büchermachen anwenden. Die Kollaboration vieler Menschen in einem Kollektiv schafft bessere Bücher. Wer ist dabei, diese Hypothese zu testen? Tentakelt! Schreiben – ob wissenschaftlich, journalistisch oder literarisch – ist nicht einfach schreiben. Dennoch ist allen gemeinsam: Schreiben geschieht individuell, nicht kollektiv. Namen, und das Autorenkollektiv Wu Ming spielt damit, oberhalb oder unterhalb des Texts kennzeichnen üblicherweise Autorschaft. Die Zahl dieser Namen gibt Auskunft über…

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Als sich der Kraken Verlag begegnete
Tentakeln für den Kraken Verlag...

Als sich der Kraken Verlag begegnete

Eine Geschichte verschlungener Tentakel in der Zeit   Everybody ought to have a coauthor. (Dossie Easton & Janet W. Hardy) Leipzig, 2021: Kennst du diese Kindergärten, wo die Kinder morgens in eine regenbogenfarbene wollig-weiche Wolke der Geborgenheit fallen und nachmittags aus eben dieser Wolke nur mit viel Überzeugungsarbeit wieder herausfinden? Aber wir sind doch hier kein Kindergarten, oder? Nein, aber... es hat etwas mit Kindern zu tun… mit dem digitalen 21. Jahrhundert… und mit Zeichnungen... wie sich herausstellt.…

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