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Staatliche Stellen lassen sich durch einem stetigen Briefverkehr zufriedenzustellen, auch wenn in den Briefen nichts steht.

Selbständigkeit: Phase III (Steuererklärungen)

Also ein weiteres Update zum Thema Selbständigkeit. Schliesslich sind wir gerade am zweiten fünfzeiler-Buch (Feinarbeit, Korrekturen ohne Ende…) und müssen auch noch Urlaub machen. Immerhin ist es August. Da kommt es gelegen, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern und auf unerwarteten Arbeitsaufwand hinzuweisen, der auftauchen kann, wenn sich für die Selbständigkeit entscheidet.

… wieder ein Brief

Wie am Ende des letzten Beitrags zur Selbständigkeit erwähnt, kommt natürlich wieder ein Brief. Ist die Selbständigkeit erst einmal korrekt aufgegleist, weitere Steuernummern sind vergeben, wird natürlich das Finanzamt auf mich aufmerksam. Vorbei ist es mit der unbehelligten Zeit des komplett freien Schriftstellers ohne jeglichen Status.

Zunächst erhalte ich positive Post: ein fein säuberlich gestempeltes Dokument, das meine Selbständigkeit bestätigt. Dass ich die meisten Felder im Formular zur steuerlichen Erfassung einfach durchgestrichen habe, stellt also kein Problem dar. Kurz darauf trifft allerdings ein weiterer Brief des Finanzamts bei mir ein: Aufforderung zur Nachreichung von Steuererklärungen.

Recherchiert das Finanzamt?

Ausschnitt aus dem Lebenslauf auf meiner Webseite www.fabian-schwitter.com.
Abb. 1: Ausschnitt aus dem Lebenslauf auf meiner Webseite www.fabian-schwitter.com.

Das Finanzamt verlangt von mir mit einem Verweis auf eine freischaffende Tätigkeit sowohl Umsatzsteuererklärungen als auch Einnahmenüberschussrechnungen für die Jahre 2018 und 2019. Für 2020 sind die Fristen offenbar noch nicht verstrichen. Mich verwundert das. Wieso der Verweis auf eine selbständige Tätigkeit in den Jahren 2018 und 2019?

Seit drei Jahren habe ich keine feste Anstellung mehr und arbeite als freischaffender Schriftsteller. Da ich aber so wenig verdiene, dass es steuerlich irrelevant ist, habe ich mich erste jetzt selbständig gemeldet. Ich lebe von Ersparnissen, die allerdings gering genug sind, dass sie keiner Vermögenssteuer unterliegen, die es in Deutschland – und das ist ein Kuriosum erster Güte – ohnehin nicht gibt.

Hat das Finanzamt also recherchiert? Denn zu meinen bisherigen Tätigkeiten habe ich im Formular zur steuerlichen Erfassung nichts angegeben – wohl aber meine Webseite. Und da steht im Lebenslauf, dass ich seit 2018 freischaffender Schriftsteller bin, auch wenn das steuerlich keinerlei Bedeutung hat.

Aufruf zum Formular-Minimalismus

Den Aufforderungen des Finanzamts termingerecht nachzukommen lohnt sich.
Abb. 2: Den Aufforderungen des Finanzamts termingerecht nachzukommen lohnt sich.

Ich will mich davon nicht beirren lassen. Selbstverständlich habe ich die verlangten Steuererklärungen nachgereicht. Und selbstverständlich habe ich überall, wo das elektronische Formular ein leeres Feld nicht akzeptieren wollte, eine ‹0› eingetragen. Das Ausfüllen aller Formulare hat mich eine Stunde gekostet. Und wenn alles klappt, bleibt es auch dabei. Wir werden sehen.

In der Zwischenzeit also: Nicht verzweifeln, wenn solche Briefe vom Finanzamt kommen. Den Aufforderungen ist unbedingt nachzukommen, damit keine unnötigen Verdachtsmomente entstehen. Deswegen: Formal müssen die Ansprüche staatlicher Stellen unbedingt erfüllt werden. Inhaltlich rate ich aber zu einem Formular-Minimalismus, damit der Aufwand sich in Grenzen hält.
 

Quellenangaben
Titelbild: Das Schriftbild spielt auch beim Erlernen der Buchstaben eine Rolle (PublicDomainArchive, https://pixabay.com/de/photos/kinderb%c3%bccher-kinder-b%c3%bccher-b%c3%bccher-570121/).
Abbildung 1: Der Satz ist in seine Bedeutungseinheiten aufgeteilt und lässt sich so leichter den unterstützenden Bildern zuordnen (Tobias Kurwinkel, Bilderbuchanalyse, 2. Auflage, A. Francke Verlag 2020).
Abbildung 2: Experimentelle Typografie kann Stimmungen wiedergeben (Tobias Kurwinkel, Bilderbuchanalyse, 2. Auflage, A. Francke Verlag 2020).

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