Selbständigkeit: Phase I (Steuerliche Erfassung)
Elster: Das Online-Finanzamt.

Selbständigkeit: Phase I (Steuerliche Erfassung)

Ich habe das – aber ich war als Freiberufler ja so frei, dass ich nicht einmal Geld verdiente – die längste Zeit vor mir her geschoben. Selbständig fühle ich mich grundsätzlich schon. Aber steuerlich? Ich greife – etwas zu gutgläubig vielleicht – zum Hörer, nachdem ich Woche für Woche abgewogen habe und natürlich zu keinem Ergebnis gekommen bin. Für eine eingehende Internetrecherche – zum Beispiel die Selfpublisher Bibel zu konsultieren oder bei Gründer vorbeizuschauen – war ich zu faul und mein Verständnis des Steuerwesens hatte nicht ausgereicht, um selbst zu einem Schluss zu kommen.

Das Telefonat mit dem Finanzamt ist hilfreich. Zwar kann ich die Person am anderen Ende der schlechten Verbindung und des sächsischen Akzents wegen nicht deutlich verstehen. Klar ist aber: Die Person ist freundlich. Und ich kann mich als Autor, diese Tätigkeit gehört unter den Selbständigen zur Untergruppe der freien Berufe, selbständig machen. Ob teilselbständig, ganz selbständig oder… Ich bin erleichtert.

Steuerliche Erfassung

Voraussetzung für meine Selbständigkeit ist, dass ich mich steuerlich erfassen lasse. Also schildert mir die freundliche Person vom Finanzamt, wie ich das im digitalen Zeitalter am besten anstelle: «Melden Sie sich bei Elster an. Das ist das bundesweite Online-Finanzamt. Dort füllen sie das Formular zur steuerlichen Erfassung aus.» Also habe ich mich schnurstracks daran gemacht. Sowas ist in einem Nachmittag erledigt.

Leider nicht. Für meine Anmeldung ist eine doppelte Verifikation nötig. Und so muss ich erst einmal auf einen Brief warten, der mir per Post zugeschickt werden soll, bevor ich meine Anmeldung abschliessen kann. Ich warte also.

Nur ein Formular ausfüllen?

Und dann ist der Brief da. Und ich melde mich an. Und alles geht reibungslos und ich finde ein Formular. Und es ist 20 Seiten lang. Und auf einer Seite verlangt es nach Angaben zu meinem Steuerberater. Ich übergehe das und merke ein paar Seiten später, dass ich ohne diesen Steuerberater wohl nicht in der Lage sein würde, dieses elektronische Formular auszufüllen.

Abb. 1: Seite 2 des Formulars zur steuerlichen Erfassung.

Neben allerlei erforderlichen Angaben zu meinem Gewerbe – aber ich bin doch nur ein einfacher Autor ganz ohne Angestellte – ist es überdies so, dass ich meinen Familienstand angeben soll. Im Dropdown-Menü finde ich alle möglichen Bezeichnungen, die in irgendeiner Weise mit der Ehe in Beziehung stehen: verheiratet, verwitwet, getrennt, geschieden… Dass ich allerdings schlicht und ergreifend ledig bin, kann ich nirgends angeben.

Ich übergehe also auch diese Seite, nur um am Ende festzustellen, dass ich das Formular nicht abschicken kann, wenn nicht jede Seite korrekt ausgefüllt ist. Verlangt wird also, dass ich überall etwas hinschreibe. Aber wie nur, wenn ich nicht einmal meinen Zivilstand korrekt angeben kann? Von den 20 Seiten habe ich, so sagt mir das Programm, gerade einmal fünf korrekt bearbeitet. Ich resigniere, nachdem ich an drei aufeinanderfolgenden Tagen versucht habe, das Formular doch noch auszufüllen.

Nach einer kurzen Email-Korrespondenz mit dem Finanzamt wird mir das Formular zur steuerlichen Erfassung per Email zugeschickt – mit der Bitte, ich solle vermerken, dass ich das Formular auf Elster nicht habe ausfüllen können. Also von vorne… I’ll keep you posted.

Quellenangaben

Titelbild: Elster: Das Online-Finanzamt (https://www.elster.de/eportal/start).
Abbildung 1: Seite 2 des Formulars zur steuerlichen Erfassung (Screenshot, Fabian Schwitter).


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