Geschichte des Schreibens: Frühmittelalter – Buchkunst
Codex Egberti, hergestellt im Kloster Reichenau zwischen 980 und 993 im Auftrag von Bischof Egbert von Trier.

Geschichte des Schreibens: Frühmittelalter – Buchkunst

Für uns ist Abschreiben eine minderwertige Art des Schreibens, eigentlich noch nicht einmal ein angemessener Gebrauch, gerade einmal Schreibanfängern zumutbar. [...] Darum fällt es auch schwer zu verstehen, vielleicht nicht so sehr, daß im frühen Mittelalter viel abgeschrieben worden ist, als vielmehr, warum diese an sich recht unproduktive Tätigkeit damals so große Wertschätzung erfahren hat. (Otto Ludwig) Mit dem Beginn des Mittelalters näherte sich die Konzeption des Schreibens zum ersten Mal einer genuinen Schriftlichkeit. Während die Ursprünge der…

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Geschichte des Schreibens: Antike – Das vollständige Alphabet
Scriptio Continua.

Geschichte des Schreibens: Antike – Das vollständige Alphabet

Die Kleinheit der Städte hatte zur Folge, daß jeder jeden kannte, die Geschäfte, die zu regeln waren, direkt abgewickelt werden konnten und es so nur eine Weise gab, miteinander zu kommunizieren: die direkte, d.h. mündliche. [...] Die Konzentration auf das Mündliche wurde forciert in dem Maße, wie die Öffentlichkeit und so das Politische an Bedeutung gewannen. (Otto Ludwig) Die antiken Griechen übernahmen die Schrift von den Phöniziern. Und so wanderte das Alphabet zum ersten Mal nach Europa. In…

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Geschichte des Schreibens in Europa: Die Ursprünge ausserhalb Europas
Das Rebusprinzip: Klangliche Ähnlichkeit wird genutzt, um assoziativ neue Wörter hervorzurufen.

Geschichte des Schreibens in Europa: Die Ursprünge ausserhalb Europas

When I see an image, I naturally think of it as a representation. A picture of something. But to Bill [ein Ältester der Aboriginal], these are not pictures of the ancestors, these are the ancestors. (Lydia Wilson) Schreiben, das ist ein wenig wie Zauberei. Zugegeben: Für uns, die wir (noch) in einer ausgesprochen schriftlichen Kultur leben und schon in der ersten Klasse lesen und schreiben lernen, mag das etwas überspitzt klingen. Was ist schon dabei? Wir lesen und…

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Selbständigkeit: Phase I (Steuerliche Erfassung)
Elster: Das Online-Finanzamt.

Selbständigkeit: Phase I (Steuerliche Erfassung)

Ich habe das – aber ich war als Freiberufler ja so frei, dass ich nicht einmal Geld verdiente – die längste Zeit vor mir her geschoben. Selbständig fühle ich mich grundsätzlich schon. Aber steuerlich? Ich greife – etwas zu gutgläubig vielleicht – zum Hörer, nachdem ich Woche für Woche abgewogen habe und natürlich zu keinem Ergebnis gekommen bin. Für eine eingehende Internetrecherche – zum Beispiel die Selfpublisher Bibel zu konsultieren oder bei Gründer vorbeizuschauen – war ich zu…

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Typografie: Grundkenntnisse
Inserateseite aus einer Zeitung in den 60ern.

Typografie: Grundkenntnisse

‹Eines der sprechendsten Ausdrucksmittel jeder Stilepoche ist die Schrift. Sie gibt, nächst der Architektur, wohl das am meisten charakteristische Bild einer Zeit und das strengste Zeugnis für die geistige Entwicklungsstufe eines Volkes.› Peter Behrens, ein einst berühmter Architekt, hat damit Recht, wenns auch schreckliches Deutsch ist (sprechendst, am meisten charakteristisch!). Und nun betrachte der Leser einmal den obigen Ausschnitt aus einer heutigen Zeitung. Ein Zeugnis für die geistige Entwicklungsstufe eines Volkes, ein Spiegel der Kultur? Man möchte sich…

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Bücher machen: ein kollektives Unterfangen?
Setzer bei der Maschinensatzverarbeitung.

Bücher machen: ein kollektives Unterfangen?

Die Vorstellung, dass dem Autor eine besondere Funktion im Produktionsprozess zukommt – nämlich die einzige, die Aufmerksamkeit verdient – ist jüngeren Datums. Es handelt sich um ein Nebenprodukt der literaturromantischen Anschauung, dass bedeutende Schriftsteller einen Bruch mit der Tradition insgesamt vollziehen, um etwas absolut Neues und Einzigartiges, d.h. «Originales», zu schaffen. (Martha Woodmansee) Ein Buch? – Das ist: Schreiben, setzen, drucken, binden, vertreiben… Meist denken wir heute wohl nicht mehr so. Ein Buch machen: Das ist vor allem…

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Autorschaft im digitalen Zeitalter
Unterschiedliche Hyperlinkstrukturen.

Autorschaft im digitalen Zeitalter

Wie viele der Millionen Computeranwender können die Namen der Entwickler der Tabellenkalkulation Excel oder des Bestseller-Spiels Myste nennen? Die Produkte selbst sind wichtiger als die Autoren, und diese Produkte stellen Resultate einer hochgradig kooperativen Organisation dar. (Jay. D. Bolter)   Die Zeit der digitalisierten Textverarbeitung und der Verbreitungskanäle des WWW erlaubt eine wesentlich schnellere Verbreitung von Texten als das Zeitalter des Buchdrucks. Alle können, zum Beispiel durch einen Blog, AutorInnen sein und ihre Texte an ein Publikum herantragen.…

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Kollektivliteratur: Wu Ming
Gesichtlose Autoren, um dem Starkult zu entgehen.

Kollektivliteratur: Wu Ming

Bologna, das fette Bologna (der nahrfhaften bologneser Küche wegen), ist bekannt für Tomatensauce mit Hackfleisch. Bologna, aber dazu gibt es nichts zu sagen, ist bekannt für eine unselige Bildungsreform. Und Bologna, das rote Bologna (seiner Dächer und seiner politischen Vergangenheit wegen, könnte – wenn es das Wort Kollektivliteratur schon gäbe und der Begriff allgemeine Anerkennung fände – auch dafür bekannt sein: Wu Ming. Wu Ming – ein chinesisches Wortspiel, das je nach Betonung der Silben, da Namen Autorschaft…

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Kollektivliteratur: «Ah, das Love-Ding!» von Monika Rinck
Reflexionen über Gruppenkonstellationen. Monika Rinck: «Ah, das Love-Ding!».

Kollektivliteratur: «Ah, das Love-Ding!» von Monika Rinck

Das Kollektiv bahnt sich schon seit einiger Zeit seinen Weg in die Literatur, auch wenn es zunächst zaghaft auftritt und sich eher theoretisch als praktisch äußert. Zum Beispiel bei Monika Rinck, die gerade den Berliner Literaturpreis 2021 gewonnen hat. Zwar mögen mittlerweile spärlich praktische Erfahrungen aus dem Kollektivprojekt «Helm aus Phlox» (Merve, 2011) vorhanden sein, aber der Essay «Ah, das Love-Ding!» (kookbooks, 2006), den Monika Rinck allein verfasst hat, gehört noch in die Zeit vor «Helm aus Phlox». Also…

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Das Urheberrecht im historischen Kontext
Die Entstehung des Urheberrechts etwas genauer unter die Lupe genommen.

Das Urheberrecht im historischen Kontext

Seit sich die Arbeit des Autors  und die des Verlegers auf einander beziehen, ist das Buch ebensowohl Individuum wie Kollektiv geworden. (Heinrich Bosse) Wie die technische Innovation des Internets heute das Urheberrecht in Frage stellt, weil der Datenverkehr im Internet schwer zu kontrollieren ist, machte die technische Innovation der Druckerpresse eine Regulierung des anarchisch wuchernden Buchmarkts erforderlich: Das Urheberrecht entstand. Mittelalter: Bücher als Rarität Die handwerklich aufwändige Buchproduktion übertraf – pointiert formuliert – den geistigen Aufwand der VerfasserInnen.…

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