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Korrekturen sind wichtig und genauso wichtig die richtigen Korrekturzeichen, damit keine Missverständnisse aufkommen. Ein Rotstift allein reicht da nicht.

Korrigieren

Das Korrigieren ist ein unumgänglicher Schritt bei der Herstellung von Druckerzeugnissen. Weil gedruckte Bücher in Auflagen von hunderten, tausenden oder sogar zehntausenden erscheinen, potenzieren sich auch die Fehler. Umso ärgerlicher, wenn viele Fehler erst im Nachhinein auffallen. Deswegen lohnen sich sorgfältige Korrekturen.

Korrektorat ist nicht Lektorat

Wo das Lektorat vielleicht mehr eine Frage der Sachkenntnis und der Erfahrung ist, damit ein Text stilistisch und erzählerisch stringent oder sachlich korrekt erscheint, ist das Korrektorat eher eine Frage von Technik, Konzentration und Akribie. Häufig erscheint das Korrektorat neben dem Lektorat als zweitrangig: Das kann doch jede:r. Aber zu einem gelungen Buch gehört ein sorgfältiges Korrektorat genauso wie ein Lektorat.

Alle korrigieren: Setzer:innen, Verleger:innen, Autor:innen

Am Korrektorat sind alle beteiligt: Satz, Verlag, Autor:in. Während Setzer:innen primär auf die korrekte Umsetzung des Manuskripts zu achten haben, richten Verleger:innen und Autor:innen den Blick noch einmal auf sprachliche Formalia wie Rechtschreibung und Silbentrennung. Gerade Autor:innen sollten ihr Recht einfordern, den Satz zu korrigieren.

Kürzlich habe ich das Nachwort zum Roman «Das nackte Wort»von Christian Uetz geschrieben. Und weil es nur um das Nachwort ging, forderte ich die Fahne nicht beim Verlag an. Als ich das Buch in den Händen hielt, durfte ich seine äusserliche Schönheit bewundern, um danach umso enttäuschter von einem Satz zu sein, den ich schlampiger kaum erlebt habe. Ein sorgfältiges Korrektorat ist – gerade unter dem Zeitdruck festgesetzter Erscheinungstermine – keine Selbstverständlichkeit.

Korrekturschritte: Umbruch, Satzfehler, Einheitlichkeit

Zunächst ist der Aufbau des Buchs, der sogenannte Umbruch, zu korrigieren. Stimmt die Reihenfolge der Kapitel und Abschnitte? Ist das Layout korrekt? Sind die Fussnoten, Bilder, Illustrationen und Tabellen da, wo sie sein sollen? Danach folgt die Korrektur von Satzfehlern wie die sogenannten Schusterjungen oder Hurenkindern. Endlich richtet sich der Blick noch einmal auf Rechtschreibung und Einheitlichkeit.

Gerade wenn viele Auszeichnungen – auch extravagante wie handschriftliche Streichungen oder Unterstreichungen – in einem Text vorkommen, ist eine gesonderte Überprüfung sinnvoll.
Abb. 1: Gerade wenn viele Auszeichnungen – auch extra-vagante wie handschriftliche Streichungen oder Unter-streichungen – in einem Text vorkommen, ist eine geson-derte Überprüfung sinnvoll.

Korrekturhinweise: Klarheit, Systematik, Konzentration

Damit Korrekturen keine Missverständnisse hervorrufen, sind klare Anweisungen und einheitliche Korrekturzeichen wichtig. Diese wurden für analoge Korrekturen entwickelt. Bei elektronischen Korrekturen in einem PDF ist umso mehr auf Klarheit bei den Anweisungen zu achten.

Prinzipiell lohnt es sich, mehrere Korrekturgänge zu machen. Dabei hilft ein systematisches Vorgehen durch die Auflistung aller für das vorliegende Buch relevanten Korrekturaspekte (z.B. Umbruch, einheitliche Hervorhebungen, Rechtschreibung). Um Beispielsweise die vorgegebene Zahl von 393 Kursivsetzungen im Band «tausendundein / fünfzeiler»(Edition Howeg, 2019) zu überprüfen, bin ich die Korrekturfahne eigens dafür mehrfach durchgegangen.

Letztlich ist das Korrigieren auch eine Übungsfrage. Schaffe ich es, über länger Zeit hinweg vom Inhalt des Texts zu abstrahieren und nur bei den Strukturen zu bleiben? Nicht jedem Menschen ist diese Fähigkeit gleichermassen gegeben. Gerade deswegen sind zuverlässige Korrektor:innen viel wert. Leider fällt das allzu häufig erst im Nachhinein auf.
 

Quellenangaben

Literatur:
Hubert Blana, Die Herstellung – Ein Handbuch für die Gestaltung, Technik und Kalkulation von Buch, Zeitschrift und Zeitung, K. G. Saur 1993.
Titelbild: Korrekturen sind wichtig und genauso wichtig die richtigen Korrekturzeichen, damit keine Missverständnisse aufkommen. Ein Rotstift allein wie im Bild reicht da nicht (Anne Karakash, https://pixabay.com/photos/mistakes-editing-school-red-ink-1756958/).
Abbildung 1: Gerade wenn viele Auszeichnungen – auch extravagante wie handschriftliche Streichungen oder Unterstreichungen – in einem Text vorkommen, ist eine gesonderte Überprüfung sinnvoll (Screenshot, Fabian Schwitter).

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