Vorläufer simultanen Schreibens: Hölderlins Varianten und Variationen des Gedichts «Das nächste Beste» in einem Faksimile seiner Handschriften.

Nach dem Vorbild von Heimito von Doderers «Sieben Variationen über ein Thema von Johann Peter Hebel» starten wir das nächste Kraken-Experiment in kollektivem Schreiben. Ausgehend von einer kurzen Textvorgabe versuchen wir im Kollektiv unterschiedliche Variationen zu schreiben. Dabei arbeiten wir wieder mit offenen Schreibpads, sodass alle Teilnehmenden jederzeit und gleichzeitig an jeder Stelle der zunächst fünf Variationen mit- und umschreiben können.

Anders als bei unserem offenen Kurzgeschichten Experiment hat sich hier eine Seminargruppe der Universität Zürich gefunden, die in einem geschlossenen Bereich arbeiten wird. Einerseits nehmen wir so darauf Rücksicht, dass diese Gruppe durch das gemeinsame Seminar schon eingespielt ist. Andererseits erhoffen wir uns durch die Geschlossenheit auch eine konzentriertere Dynamik. Im besten Fall führt dieses Vorgehen zu rascheren Resultaten, die mehr Rückschlüsse über Verfahren und Textgenese zulassen, als das langfristige Kurzgeschichten-Experiment, das von zufälliger Beteiligung getragen wird.

Mit dem Variationen-Experiment unterziehen wir die Theorie des Seminars «Der multiple Text: Versionen, Revisionen, Variationen» von Prof. Dr. Charles de Roche einem Praxistest mit offenem Ausgang. Im Seminar wurden unterschiedliche Formen multipler Textproduktion bzw. -erscheinung diskutiert. Von Kleist und Hölderlin über Baudelaire, Beckett, Ponge und eben Heimito von Doderer bis zu zeitgenössischen Autor:innen wie Barbara Köhler oder Oswald Egger wurden experimentelle Verfahren untersucht. Beim Kraken Verlag erproben wir nun mit dem Variationen-Experiment einen weiteren Modus kollektiven Schreibens und erhoffen uns Einsichten in die literarische Gruppendynamik.