Das Urheberrecht im historischen Kontext
Die Entstehung des Urheberrechts etwas genauer unter die Lupe genommen.

Das Urheberrecht im historischen Kontext

Seit sich die Arbeit des Autors  und die des
Verlegers auf einander beziehen, ist das Buch
ebensowohl Individuum wie Kollektiv geworden.

(Heinrich Bosse)

Wie die technische Innovation des Internets heute das Urheberrecht in Frage stellt, weil der Datenverkehr im Internet schwer zu kontrollieren ist, machte die technische Innovation der Druckerpresse eine Regulierung des anarchisch wuchernden Buchmarkts erforderlich: Das Urheberrecht entstand.

Mittelalter: Bücher als Rarität

Die handwerklich aufwändige Buchproduktion übertraf – pointiert formuliert – den geistigen Aufwand der VerfasserInnen. Die Herstellung von einzeln angefertigten Büchern erfolgte im Auftrag von begüterten Adligen und Kaufleuten, die vielleicht selbst nicht einmal lesen konnten, oder hinter Klostermauern. Das Weitergeben und vor allem -sagen bestehenden Wissens und bekannter Geschichten stand im Vordergrund, weniger das Erfinden von Neuem.

Neuzeit: VerlegerInnen als Herrscher über Bücher

cc Janet Gooch
Abb. 1: Spätmittelalterliche Druckwerkstatt.

Das Aufkommen der Druckerpresse ab dem 15. Jahrhundert senkte die Produktionskosten für Bücher (im 16. Jahrhundert entstanden frühkapitalistische Druckfabriken, die für eine vorweggenommene Nachfrage produzieren) und erleichterte die Verbreitung von Lesestoff. Die Lesefähigkeit in der Bevölkerung nahm zu. Und die Wissensvermittlung oblag in einer zunehmend städtischen Bevölkerung bald dem spezialisierten Berufsfeld akademisch ausgebildeter Lehrer und Beamten.

Bis ins 18. Jahrhundert regelte das Privilegienwesen den Buchmarkt. Landesherren gewährten Verlegern gegen eine Gebühr Druckprivilegien für bestimmte Werke. Lokal legte überdies die Polizei Streitigkeiten bei. Gewohnheitsrechte taten ein Übriges. AutorInnen, meist Beamten oder Kleriker, verdienten sich ein Zubrot mit dem Verkauf ihrer Manuskripte an Verleger. Der vermeintlich unzulässige Nachdruck von Büchern war verbreitet und wurde bisweilen sogar privilegiert. Der Export billiger Bücher in andere Staatsgebiete war lukrativ.

Moderne: AutorInnen als Herrscher über ihre Werke und nun?

cc andreas160578
Abb. 2: Moderne Offset Druckmaschine.

Seit dem 18. Jahrhundert erhoben Texte in einer wachsenden Schriftkultur Anspruch auf Originalität. Die Figur des Genies mit seinem geistigen Eigentum nahm Gestalt an. Gleichzeitig warf ein wachsender Buchmarkt satte Gewinne ab. Der Beruf der SchriftstellerInnen etablierte sich. Allmählich bildete sich das Urheberrecht als zeitlich begrenzter Schutz geistigen Eigentums heraus und regelte in einer kapitalistischen Produktionsweise das Verhältnis zwischen AutorInnen und VerlegerInnen: AutorInnen investieren in Bildung, VerlegerInnen investieren in Herstellungs- und Vertriebskapazitäten. Der Gewinn aus der Buchproduktion wird geteilt.

Wies der Dichter Klopstock bereits Mitte des 18. Jahrunderts mit [D]er deutsche[n] Gelehrtenrepublik auf die Möglichkeit des Eigenverlags zur Steigerung der eigenen Profite unter Umgehung der Verleger hin, so ermöglicht das das Internet und die Digitalisierung mittlerweile vergleichbare Eigenverlagsmöglichkeiten. Und wie im Mittelalter gewinnt das Weitersagen (retweeten, reposten…) wieder an Gewicht. Plagiatsdiskussionen, dem Streit um Nachdrucke ähnlich, häufen sich. Und das freie filesharing unterläuft das Urheberrecht.

Quellenangaben

Literatur: Heinrich Bosse, Autorherrschaft ist Werkherrschaft, Wilhelm Fink 2014.
Titelbild: Die Entstehung des Urheberrechts etwas genauer unter die Lupe genommen. (https://pixabay.com/de/photos/urheberrecht-lupe-lupen-buch-389901/).
Abbildung 1: Spätmittelalterliche Druckwerkstatt (https://pixabay.com/de/illustrations/drucken-dr%C3%BCcken-druckmaschine-1093509/).
Abbildung 2: Moderne Offset Druckmaschine (https://pixabay.com/de/photos/druckerei-druckindustrie-2159700/).


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